Saisonrückblick 2017

Es war die bisher schwerste Saison seit Reaktivierung der Ilztalbahn. Ein großer Hangrutsch bei Patriching erforderte die Verschiebung des Saisonstarts von Mai auf Juli 2017. Gleichzeitig konnte die Ilztalbahn 2017 die 125jährige Eröffnung der Gesamtstrecke Passau – Freyung mit einem großen Bahnfest feiern. Kommen Sie mit auf eine Reise durch das Jubiläumsjahr!

Kein schönes Ostergeschenk: Hangrutsch bei Passau Patriching

Im Jahr 2017 feiert die Bahnstrecke von Passau über Waldkirchen nach Freyung ein großes Jubiläum. Seit 125 Jahre existiert diese Bahnverbindung in den Bayerischen Wald. Eine lange Geschichte vom Bau über die Blütezeit bis zur Stilllegung und Wiederbelebung, die auch niedergeschrieben werden musste. Bereits Ende 2016 begann ein Autorenkreis um Karl-Heinz Paulus ‚125 Jahre Ilztalbahn‘ in ein Jubiläumsbuch zu verewigen. Zeitgleich liefen die Vorbereitungen für die Jubiläumssaison auf Hochtouren.

Überraschungen der Natur im Frühjahr…

Am 25. Februar startete nach über zwei Monaten Winterpause die Infrastruktur-Truppe zu ersten Arbeitseinsatz im Jahr 2017. Dabei wurden wieder zahlreiche Bäume verarbeitet, die aufgrund von Schneebruch in den Gleisbereich gestürzt sind. Damals konnte man noch nicht ahnen, wie viele Bäume noch im Laufe des Jahres von den Gleisen zu schaffen sind…
Anfang März konnte die Baustelle in Passau am Bahndamm zur B85 fertiggestellt werden. Nachdem zuvor schon Teile des Bahndamms saniert worden sind, jedoch 2016 erneut Probleme mit der Tragfähigkeit bei Starkregen auftraten, wurde der komplette Bahndamm erneuert. Damit war die Ilztalbahn ab März wieder durchgehend für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

Im Juni begannen die umfangreichen Arbeiten zur Hangstabilisierung.

Ohne ‚unsichtbare‘ Infrastrukturmitarbeiter kein Bahnbetrieb

Noch während den Vorbereitungen für den geplanten Saisonstart im Mai lösten sich in den Ostertagen an einer Böschung in Passau-Patriching mehrere Kubikmeter Erdreich und Geröll und stürzten auf die Gleise. Anfangs bestand noch Hoffnung auf eine schnelle Lösung, doch durch die Instabilität des Erdreichs rutschten innerhalb weniger Tage immer mehr Erde ab. Nach der Begutachtung eines Geologen wurde klar, dass der Saisonstart am 13. Mai nicht mehr möglich war. Zudem musste für eine Sanierung ein weiteres Gutachten erstellt werden, denn durch die instabile Lage war die Situation selbst für eine erfahrene Spezialbaufirma eine Herausforderung. Auch während den Bauarbeiten kam es immer wieder zu vereinzelten Rutschungen, womit selbst die Experten der Baufirma keine Prognosen geben konnten, wann der Hang wieder vollständig gesichert ist.
Obwohl die Ilztalbahn seit Mitte April die Ilztalbahn durch den Hangrutsch unterbrochen war, standen die Räder nicht still. Statt Ausflugszügen waren Bauzüge an den Wochenenden unterwegs. Dabei standen die üblichen Arbeiten auf dem Plan, beispielsweise der Grünschnitt, Bauwerkskontrollen und die Instandhaltung von Bahnübergängen.

Juli 2017: Arbeiten zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs, hier am Bahnhof Kalteneck

125 Jahre Schiene zwischen Passau und Freyung

Am 8. und 9. Juli fand im Zuge des Jubiläums „125 Jahre Ilztalbahn“ ein großes Bahnfest in Freyung statt. Mit Open-Air mit Bayern-1-Band, SonnYtag, Infostand und bester kulinarischer Versorgung wurde das Bestehen der Ilztalbahn gefeiert. Ein tolles Wochenende mit viel guter Laune brachte wieder ein großes Stück der so wichtigen Motivation. Zudem waren die Bauarbeiten in Patriching so weit fortgeschritten, dass das gesamte Erdreich von den Gleisen geschafft war und damit Überführungsfahrten ohne Fahrgäste durch die Baustelle möglich wurden. Damit verkehrte zum Bahnfest-Wochenende zum ersten Mal in diesem Jahr ein Personenzug im Ilztal. Nach einem Sonderfahrtplan pendelte eine Schienenbus-Garnitur zwischen Freyung und Kalteneck.

Mitte Juli konnten die Bauarbeiten am Hangrutsch abgeschlossen werden. Somit war die Böschung wieder standsicher. Am 22.Juli, folgte dann der finale Arbeitseinsatz vor der kompletten Wiederaufnahme des Ausflugsverkehrs. An diesem Tag standen zahlreiche Helfer bereit, um die letzten Arbeiten am Gleis an der Baustelle in Patriching durchzuführen. Mit stundenlanger Handarbeit wurde jede Schwelle, jede Schraube und jeder Schienenfuß von den letzten Erdresten gereinigt, neuer Schotter eingebracht und die beschädigte Anschlussweiche zur ZF Patriching repariert. Zuvor hatte ein weiterer Arbeitstrupp alle Bahnübergänge zwischen Waldkirchen und Passau umfassend gereinigt. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren Ehrenamtliche, der Bauzug sowie unser Zweiwege-Bagger im Einsatz und hatten in einen der längsten Arbeitseinsätze überhaupt die Ilztalbahn wieder durchgehend befahrbar gemacht.

Es ist soweit, der erste Zug des Jahres passiert den sanierten Hangrutsch in Patriching.

Zum Jubiläum im Mittelpunkt, die Bayern-1-Band und die Ilztalbahn.

Getränkeausschank am Bahnfest Freyung durch den Förderverein Ilztalbahn e.V.

Bürgerbier und Bürgerbahn

Feiern bis zur Abfahrt des Spätzuges nach Passau.

Auch am Tag nach dem Bahnfest konnte der Schienenbus zahlreiche Fahrgäste nach Freyung bringen.

Erfolgreicher Neustart Ende Juli

Eine Woche später, am 29. Juli, war es dann endlich so weit: Der Ausflugsverkehr wurde wieder aufgenommen. Pünktlich startete der Agilis-Triebwagen um 07:30 Uhr ins sommerliche Ilztal.

Nach dem erfolgreichen ersten Betriebswochenende wurde die Ilztalbahn um ein Fahrzeug reicher: Am 02. August wurde das neue Arbeitsfahrzeug der Baureihe „Klv54“ von seinem Vorbesitzer der Ostertalbahn per Tieflader zum Bahnhof Waldkirchen überführt und aufgegleist. Mit einer höheren Leistung und einer größeren Kabine erweist das Fahrzeug seitdem guten Dienst und ist für die Instandhaltung der Infrastruktur unentbehrlich.

Pünktlich zum Beginn der Sommerferien war es dann soweit: Die Ilztalbahn startet in den Wochenendverkehr

Im Donau-Moldau-Verbund bietet die Ilztalbahn Anschlüsse nach Tschechien und zum Nationalpark. Hier das mittägliche Treffen im Bahnhof Waldkirchen.

Wir bieten genügend Platz für Fahrräder!

Moderner Bahnverkehr am Bahnhof Kalteneck.

Als neue Attraktion bietet die Ilztalbahn Touren mit Bahn und Kanu an. Von Fürsteneck oder Fischhaus geht es bequem ilzabwärts und mit dem Zug wieder zurück.

Leider waren die Wetterbedingungen nicht immer besonders günstig für unseren Ausflugsverkehr.

Neue Überraschungen der Natur

Wie jeden Freitag fand auch am 18. August wieder eine routinemäßige Streckenkontrollfahrt statt. Doch kaum waren die Infrastruktur-Arbeiter zu Hause, bahnte sich ein Unwetter an. In der Nacht von Freitag auf Samstag fegte ein außergewöhnlicher Sturm über die Region hinweg. Besonders im Raum Waldkirchen entstanden zahlreiche Schäden durch umgestürzte Bäume. Häuser wurden beschädigt, Straßen und Schienenwege waren unpassierbar. Dennoch waren bereits erste Helfer der Infrastruktur-Abteilung bereits vor 5 Uhr morgens in Waldkirchen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Obwohl ab dem Morgengrauen mehrere Ehrenamtliche gegen umgestürzte Bäume auf den Gleisen kämpften, waren nach mehreren Stunden Arbeit erst wenige Meter der Bahnstrecke frei. Schnell wurde klar, dass an diesem Wochenende kein Zug mehr fahren würde. Das Ausmaß der Schäden war letztendlich so groß, dass auch am darauffolgenden Wochenende kein Bahnbetrieb möglich war. Erst am 2. September konnte der planmäßige Bahnverkehr wieder starten.

Ein schweres Unwetter zwang uns im August sogar zu einer kurzfristigen Betriebseinstellung. Hier ein Bild von den umfangreichen Aufräumarbeiten.

Doch es gab auch schöneres Wetter: Ein Waldbahnshuttle kurz vor Freyung, im Hintergrund ist Waldkirchen zu erkennen.

Einfahrt zur Zugkreuzung in Waldkirchen.

Dabei hinter den Kulissen immer im Einsatz: Unsere Infrastrukturgruppe

Hier ein Fernsehbeitrag über die ehrenamtliche Arbeit: TRP1

Großer Andrang am letzten Fahrplanwochenende in Passau Hbf.

Ein würdiger Abschluss der Saison: Die Festveranstaltung zum Jubiläum unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Brunner.

Seit Herbst erhältlich: Der große Bildband zum Jubiläum “Die Ilztalbahn – Mobilität in die Zukunft”, herausgegeben von Karl-Heinz Paulus.

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag: Edition Lichtland

Schienengüterverkehr erfolgreich angelaufen

Durch den schweren Sturm Mitte August mussten unerwartet große Mengen Schadholz aus dem Bayerischen Wald abtransportiert werden. Durch die langen Transportwege ist der der Weg von 100.000 Festmetern Holz über die Schiene wirtschaftlich und zudem durch die entfallenden LKW-Fahrten äußerst umweltfreundlich und nachhaltig. Somit wurden Anfang Oktober alle Verladeanlagen des Bahnhofs Waldkirchen instandgesetzt. Am 09. Oktober war es dann so weit: Nach vielen Jahren fuhr erstmals wieder ein beladener Güterzug von Waldkirchen nach Passau. Seitdem verkehren im Schnitt alle zwei Wochen an mindestens zwei Tagen wieder Güterzüge im Ilztal. Die Holztransporte werden voraussichtlich bis mindestens März 2018 laufen.

Der Ausflugsverkehr im September und Oktober verlief erfolgreich und ohne Zwischenfälle. Nach Saisonabschluss fand am 22. Oktober unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Helmut Brunner die Festveranstaltung „125 Jahre Ilztalbahn“ im Bürgerhaus Waldkirchen statt. Neben einem Blick auf die Geschichte der Bahnstrecke und vielen interessanten Gesprächen mit Politikern aus der Region wurde auch das im Lichtland-Verlag erschienene Buch „125 Jahre Ilztalbahn – Mobilität in die Zukunft“ vorgestellt. An diesem Wochenende verkehrten zudem nochmals Züge nach einem Sonderfahrplan zwischen Passau und Freyung.

Größtes Erfolgserlebnis der Ilztalbahn im Jahr 2017: Die Wiederaufnahme der Gütertransporte. Hier ein Bild der Holzverladung in Waldkirchen.

Fernsehbericht: www.youtube.com

Bei jedem Wetter rollen die Holzzüge durch das Osterbach- und Ilztal. Hier bei der Köpplmühle zwischen Röhrnbach und Fürsteneck.

Diskussionen über den zukünftigen ÖPNV in der Region

Am 24. November lud der Förderverein Ilztalbahn e.V. zur alljährlichen Mitgliederversammlung ein. Erster Tagesordnungspunkt war Finanzierung des Hangrutsches in Passau Patriching. Die Stadt Passau steuert 50.000 Euro bei, der Restbetrag muss durch den Förderverein gestemmt werden. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung konnten wir den anerkannten Verkehrsexperten Prof. Dr. Heiner Monheim begrüßen, der mit einem inspirierenden Vortrag und einer lebhaften Diskussion Konzepte und Strukturen eines funktionierenden ÖPNV auch in ländlichen Regionen vorstellte.

Mit einer gelungenen „Nikolaus-Sonderfahrt“ der Passauer Eisenbahnfreunde zwischen Passau und Neuhausmühle und weiteren Holz-Zügen zwischen 11. und 15. Dezember fanden die letzten Fahrten im Jahr 2017 auf der Ilztalbahn statt.

Ein sehr abwechslungsreiches, anstrengendes, ereignisreiches und lebhaftes Jubiläumsjahr geht zu Ende. „125 Jahre Ilztalbahn“ – Das Jahr 2017 sollte ein besonderes für die Ilztalbahn werden was es letztendlich auch wurde – mal mehr, mal weniger geplant. Das Jahr brachte viele unvorhergesehene Schwierigkeiten und neue Herausforderungen mit sich. Egal ob Hangrutsch, Unwetter oder die alltäglichen Probleme von Stellwerksstörungen in Passau bis zu technischen Störungen an den Fahrzeugen – manchmal mussten unsere Mitstreiter an die Grenze des Möglichen gehen. Doch am Ende fährt sie doch wieder, die Ilztalbahn, dank der ungebrochenen Unterstützung von zahlreichen engagierten Helfern.
Danke und bis zum nächsten Jahr!

Im Rückspiegel betrachtet… die Ilztalbahn fährt sei acht Jahren auf der Erfolgsschiene!

Wie geht es 2018 weiter?

Am 10. Mai startet wieder der Regelbetrieb auf der seit 2011 reaktivierten Ilztalbahn. Bis 7. Oktober verkehren dann die Züge jeden Samstag, Sonntag und an ausgewählten Feiertagen. Der Fahrplan wird weiter optimiert, um in den nachfragestarken Sommerferien ein dichtes Angebot zu ermöglichen und den Zugbetrieb in der Vor- und Nachsaison wirtschaftlich zu gestalten. Außerhalb der Sommerferien kommt daher nur ein Triebwagen zum Einsatz. Die Anschlüsse nach Tschechien und zum Nationalpark werden selbstverständlich weiterhin angeboten und optimiert.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Saison 2018!